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Brunch auf dem Bauernhof © Peter Mesenholl
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Wie gelingt eine marktfähige Rinderhaltung im Berggebiet?

Feldberg/Bernau im Schwarzwald – Auf großes Interesse stieß eine von der Naturpark-Arbeitsgruppe Landwirtschaft initiierte Exkursion. Am 26. Juli 2019 nahmen etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Begehung der bewirtschafteten Fläche von Landwirt Markus Kaiser in Bernau teil und diskutierten im Kurhaus, wie die Rinderhaltung in Bergregionen zukunftsfähig bleiben kann.

Am Freitag, 26. Juli 2019, trafen sich etwa 40 Akteure und Interessierte aus dem gesamten Naturparkgebiet am Betrieb des Landwirtes Markus Kaiser. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Rinderhaltung in Berggebieten. Wie gelingt es, dass die Rinder die richtige Fleischqualität haben? Und wie trägt sich ein Rinderhaltungsbetrieb finanziell? Welchen Beitrag leisten Landwirte zum Naturschutz? Und wie passt das alles zusammen? Das waren die Fragen, die Vertreterinnen und Vertreter aus der aktiven Landwirtschaft, des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, des Naturschutzes, der Landschaftserhaltungsverbände und der Fachverwaltungen der Landkreise an diesem Nachmittag diskutierten.

Die Naturpark-Arbeitsgruppe Landwirtschaft führte diese Veranstaltung durch. Hansjörg Stoll vom Landschaftserhaltungsverband Waldshut fasste am Ende zusammen: „Der Erhalt der Kulturlandschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Alle Akteure im Schwarzwald müssen hier in Zukunft zusammenstehen und zusammenarbeiten. Und die Zukunft ist nicht in den nächsten Jahrzehnten, sondern beginnt jetzt mit den Verhandlungen für die nächste Agrarförderperiode.“ Alle Akteure zusammen an einen Tisch oder auf eine Weide zu bringen, war Ziel der Veranstaltung.

Auf zwei Grünlandflächen von Markus Kaiser wurde erklärt, dass auch Betriebe, die ihre Tiere auf der Weide mästen, etwas intensivere Wiesen für das Winterfutter benötigen. „Der Energie- und Eiweißgehalt der Pflanzen, die ein Rind frisst, muss stimmen“, so Rolf Hess, Grünlandberater des Landkreises Lörrach und Mitglied der Naturpark-AG Landwirtschaft. „Eine ausgewachsene Kuh kann maximal 12 bis 13 Kilogramm Futter aufnehmen. Wenn nicht genug Nährwert darin enthalten ist, gibt die Kuh nicht genug Milch. Ihr Kälbchen bekommt also nicht genug Nahrung und wächst nicht,“ erklärte Hess weiter. Und auch im Winter sei ein gutes Grundfutter z. B. in Form von Heu notwendig. Dieses gewinnt Markus Kaiser auf den hofnäheren Wiesen, auf denen er Festmist ausbringt. Weiter oberhalb wird das Gelände steiler, ein Befahren der Flächen also nicht mehr möglich. Hier stehen seit April die Mutterkühe mit ihren Kälbern, die im März geboren wurden, auf der Weide. „Wir sind nur ein paar Schritte gelaufen, aber wir stehen in einer anderen landwirtschaftlichen Welt“, leitete Stoll den zweiten Exkursionsstandort ein: ein artenreiches Weidfeld mit Pflanzen wie Flügelginster und Borstgras. Diese Weidfelder sind eine der artenreichsten Lebensräume in Mitteleuropa. Um sie zu erhalten und auch nutzbar zu halten, ist die Weidpflege und eine richtige Weideführung notwendig. Die Strategie, die Markus Kaiser hier anwendet, sei gut: Möglichst früh im Jahr, wenn die Fläche viel Futter bietet, mit vielen Tieren auf die Weide gehen und sie im Sommer wieder herunternehmen. Dann braucht Markus Kaiser allerdings Futter für die Tiere. „Kann eine Naturschutzfläche im Frühjahr auch mal gemäht statt beweidet werden, um Futter für später im Jahr zu gewinnen? Erlaubt das die Naturschutzbehörde?“ – das war daher eine Frage eines Landwirts. Dagmar Betting-Nagel von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald konnte diese Frage beantworten: „So etwas ist prinzipiell schon möglich, allerdings sind dies Einzelfallentscheidungen, die vom Schutzstatus der Fläche abhängen und daher vorab auf jeden Fall mit der Unteren Naturschutzbehörde abgeklärt werden müssen.“ Das sei deshalb notwendig, damit sichergestellt werde, dass nicht jedes Jahr die gleichen Flächen gemäht statt beweidet werden und dass wertgebende Strukturen wie z. B. Ameisenhügel verschont blieben. Das wiederum würde die Artenzusammensetzung der Pflanzen und damit den Charakter der Weiden verändern und somit auch den Lebensraum der besonderen Insekten, die hier vorkommen.

Damit sich diese Art der Bewirtschaftung auch finanziell trägt, ist es wichtig, dass der Handel entsprechend hohe Preise für die Abnahme des Fleisches bezahlt. Zudem müssen die Landwirte aus der Agrarförderung Unterstützung für die Erbringung von gesellschaftlichen Leistungen erhalten. Dieses Ergebnis präsentierte Juliane Dentler von der Universität Hohenheim im zweiten Teil des Nachmittags im Kurhaus Bernau. „Solange die Landwirte dazu bereit sind, für einen Stundenlohn von 15 Euro oder noch weniger zu arbeiten, funktioniert das System weiterhin – solange die anderen Parameter, also der Handelspreis und die Subventionen nicht geringer werden“, schlussfolgerte Dentler. Der Handel ist in diesem Fall Edeka Südwest. Ralf Engelhardt von Edeka Südwest erklärte, wie die Rindfleischqualität bestimmt wird und welche Parameter auf die Qualität Einfluss haben. Damit Edeka Südwest den Kunden immer die gleiche Qualität liefern kann, ist daher auch das Qualitätsversprechen von Seiten der Betriebe wichtig. Insbesondere der Fettgehalt des Fleisches spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Erzeugergemeinschaft Schwarzwald-Bioweiderind liefert aktuell jährlich 1000 Rinder an Edeka Südwest. Diese werden entweder in Waldshut oder Freiburg geschlachtet. Damit ist das Schwarzwald-Bioweiderind im Naturpark Südschwarzwald geboren, gemästet und geschlachtet – die Wertschöpfung insgesamt also in der Region verankert.

Diese verschiedenen Aspekte der Rinderhaltung wurden im Kurhaus angeregt diskutiert. Abschließend fasste Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald, zusammen: „Es war gut, dass bei dieser Veranstaltung sowohl Landwirte und Landwirtschaftsämter als auch der Handel, die Wissenschaft und der Naturschutz zusammenkamen. Zukünftig soll auch der Tourismus verstärkt in die Diskussion einbezogen werden.“

Weitere Informationen zum Naturpark Südschwarzwald finden Sie unter www.naturpark-suedschwarzwald.de.

Bildnachweis (© Naturpark Südschwarzwald):
Bild 1: Exkursionsgruppe auf dem Hof von Markus Kaiser in Bernau.
Bild 2: Exkursion auf einer Mähwiese von Markus Kaiser in Bernau.

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> PI Exkursion Rinderhaltung im Berggebiet (PDF, ca. 150 KB)

veröffentlicht: Fr, 26.07.2019
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