Wir können mehr als Schwarzwälder Kirsch

Wer kennt sie nicht, die Kuckucksuhr – the cuckoo clock – den Schwarzwälder Bollenhut und die Schwarzwälder Kirschtorte. Sie sind die Wahrzeichen der hiesigen Kultur und doch bei genauerem Hinsehen nur ein ganz kleiner Ausschnitt davon.

Harte Arbeit...

Seit jeher galt der Südschwarzwald als Insel der Wildnis. Der Boden war karg, die Winter lang, der Wald undurchdringlich und furchteinflößend. Wen wundert es, dass Kelten und Römer das Mittelgebirge weitgehend mieden. Erst im Mittelalter wurde die Besiedlung eingeleitetet – von Klöstern, deren Mönche ein Leben in der Abgeschiedenheit schätzten.

Mit den Klöstern kamen auch die Bergbauern. Doch viel Ertrag gab der Südschwarzwald nicht her. In knochenharter Arbeit hieb man Waldflächen kahl, die sich zu wenig mehr denn als Viehweide eigneten. Bis heute zeugen die großen, alleinstehenden Häuser der Schwarzwaldhöfe mit ihrem tiefreichenden Walmdach von einem Leben in Einsamkeit.

Harte Arbeit und finsterer Wald

... viel Holz...

Ein paar Dinge bot der düstere Wald im Überfluss: Holz, Erz, Quarz und Wasserkraft. Insbesondere mit dem Holz waren viele der alten Südschwarzwälder Berufe eng verbunden.

Mit Axt und Säge rückten die Holzhauer in das Dickicht vor. Flößer transportierten die langen Baumstämme in oft halsbrecherischen Manövern auf den Flüssen talwärts. Berühmt waren sie nicht nur ob ihres Wagemuts, sondern auch weil sie den wertvollen Rohstoff auf dem Rhein teilweise bis nach Holland verfrachteten.

Entlang der Flussläufe ließen sich Säger und Schmiede nieder, um die Kraft des Wassers zu nutzen. Köhler gewannen in meterhohen, tagelang schwelenden Meilern leichte Holzkohle aus Hartholz. Diesen besonders energiereichen Brennstoff nutzten wiederum die Glasbläser in ihren Öfen, in denen sie Quarzsand und Pottasche zu Glas verschmolzen.

Seit dem Mittelalter schlugen Bergleute Silber-, Kupfer- und Bleierze, später auch Flussspat oder Uranerze aus dem Fels. Unzählige Holzbalken und -streben wurden benötigt, um die tief in die Schwarzwaldberge reichenden Stollen abzustützen. Bis ins 20. Jahrhundert wurde in den Mienen im Südschwarzwald untertage gearbeitet. Einige der ehemaligen Bergwerke können heute – wie zum Beispiel am Schauinsland – als Museum besichtigt werden.

Holzindustrie im Schwarzwald

... und Tüftler-Mentalität

Vielleicht lag es an den harten Lebensbedingungen und den tristen Wintermonaten, dass der Südschwarzwald so viele Heimwerker und Tüftler hervorgebracht hat. Die ganz eigene Mentalität seiner Bewohner mag ihr ihres dazu beigetragen haben. Geschickt wussten die Menschen sich praktische Hilfen zu schaffen, guckten sich manch nützliche Erfindung ab, entwickelten sie weiter und verbesserten die Produktionsabläufe. So produzierte und produziert man im Südschwarzwald nicht nur Uhren und Bürsten, sondern auch die Maschinen für deren Herstellung... oder in Bernau die ersten deutschen Markenskier „Marke Feldberg“.

Als ureigene Erfindung eines Südschwarzwälders, nämlich des in Todtnau geborenen Frisörs Karl Ludwig Nessler, gilt die Dauerwelle. Früh testete Nessler eine Wundertinktur, welche glatte Haare dauerhaft in Locken verwandelte, an seiner Freundin Katharina – zu Beginn nur mehr oder minder erfolgreich. 1908 ließ der inzwischen in London Lebende sein Dauerwellenverfahren international patentieren.

Kapelle und Schwarzwaldhaus

Lohnenswerte Museumsbesuche

Viel Interessantes rund um die Kultur im Südschwarzwald können Sie in unseren Museen entdecken.

Vom Fasten zur Fasnet

Schon im Spätmittelalter boten Kostümierungen und Festlichkeiten der Fasnet (Fastnacht) einen willkommenen Ausbruch aus dem öden langen Winter und gleichzeitig den letzten großen Schmaus vor der vorösterlichen Fastenzeit. In vielen Gemeinden im Naturpark ist dieser einzigartige Brauch so lebendig und farbenfroh wie eh und je.