Internationale Wiedervernetzung am Hochrhein

Rheinlandschaft bei Rheinsulz

Rheinlandschaft bei Rheinsulz (Foto: Gerry Thoenen)

Der Hochrhein – Nadelöhr für die biologische Vielfalt

Das Hochrheintal in der südwestlichen Grenzregion Deutschlands vermittelt zwischen den beiden Mittelgebirgen Schwarzwald auf deutscher Seite und dem Schweizer Jura. Beide Gebiete zeichnen sich durch ihre verschiedenen Höhenstufen von den Tieflagen am Hochrhein bis hin zu hochmontanen Landschaften aus (800-1500 m). Auf engstem Raum finden sich hier aus diesem Grund Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. 

Das Hochrheintal hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Gebiet mit sehr vielen Barrieren und Engstellen für Tierarten entwickelt. Der Abschnitt zwischen Basel und der Aare-Mündung weist nur noch sehr wenige Querungsmöglichkeiten für Tiere auf. Der Flächenbedarf für aktuelle und zukünftige Nutzungen ist sehr hoch. Mit der erheblichen Siedlungs-, Straßen- und Bahnstreckendichte, den Uferbefestigungen, der intensiven Landwirtschaft und weiteren Nutzungsformen ist dieser Abschnitt einer der am stärksten genutzten Grenzgebiete Deutschlands. Dadurch werden der natürliche Austausch und die Ausbreitung landgebundener Tierarten zwischen der Schweiz und Deutschland immer schwieriger. Dringender Handlungsbedarf besteht daher bei der Verbesserung der Wandermöglichkeiten für Tier- und Pflanzenarten zwischen den beiden Lebensräumen auf deutscher und Schweizer Seite. 

Das Projektvorhaben – Ein Konzept von weitreichender Bedeutung

Nun soll diese Problematik über ein Projekt, welches vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) durch Fördergelder mitfinanziert wird, verbessert werden. Mit Hilfe einer Machbarkeitsstudie sollen Möglichkeiten zur Entwicklung, Wiederherstellung und Sicherung von international bedeutsamen Lebensraumkorridoren zwischen den beiden artenreichen Mittelgebirgsregionen des Schweizer Jura und des Südschwarzwaldes über den Hochrhein erarbeitet werden. Der Fokus hierbei liegt auf dem Rheinabschnitt zwischen Murg und Rheinfelden. Dieser Abschnitt bietet in der Hochrheinregion noch auf wenigen Kilometern Flusslänge die letzten Möglichkeiten für den Erhalt großräumiger, ökologisch funktionaler Beziehungen in Nord-Süd-Richtung. Zusätzlich ist dieses Gebiet als ein bundesweiter Hotspot der biologischen Vielfalt ausgewiesen. Damit werden Regionen in Deutschland mit einer besonders hohen Dichte und Vielfalt an charakteristischen Arten, Populationen und Lebensräumen beschrieben und sollten dementsprechend von uns Menschen auch berücksichtigt werden. Beiderseits der Grenze sind aktuell noch gute Voraussetzungen dank übereinstimmender, unbesiedelter sowie teils noch naturnaher Flächen gegeben.

Innerhalb des Projektes gilt es u. a. entsprechende Hinterland-Anbindungen an weitgehend unzerschnittenen Lebensräume und Flächen, welche zwischen dem Schwarzwald und dem Schweizer Jura vermitteln, in die Planungen einzubeziehen. Dafür bieten u. a. der Generalwildwegeplan (GWP) und der landesweite Biotopverbund eine nützliche Orientierungsgrundlage. Der GWP ist eine ökologische Fachplanung des Landes und Bestandteil eines nationalen und internationalen Netzwerks von feuchten, trockenen und waldbetonten Lebensraumkorridoren. Der Generalwildwegeplan zeigt die teilweise letzten verbliebenen Möglichkeiten eines großräumigen ökologischen Verbundes in der bereits weiträumig zerschnittenen Kulturlandschaft auf. 

Breite Allianz – Menschen vor Ort und Internationale Zusammenarbeit

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit rückt innerhalb des Projektes besonders in den Fokus. Hierbei werden die unterschiedlichen nationalen Planungs- und Rechtsinstrumente und administrativen Zuständigkeiten berücksichtigt. Wiedervernetzungsmaßnahmen an Straßen, Planungsinstrumente der Raumordnung und Landentwicklung sowie die Entwicklung von Populationsverbünden spielen eine wesentliche Rolle. Eine weitere Herausforderung stellt die Flächensuche für die Umsetzung von Maßnahmen dar: Die Projektkulisse befindet sich im Realerbteilungsgebiet mit vielen kleinen privaten Flurstücksparzellen. Dieses Vorhaben kann nur über einen offenen Dialog mit verschiedenen Verwaltungen, Interessensgruppen und den Menschen vor Ort umgesetzt werden. Verwaltungsstellen, Lokalakteurinnen und -Akteure, Vereine und regionale Arbeitsgruppen werden thematisch eingebunden. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Schweiz ist ebenso ein zentraler Schlüssel zum Erfolg des Projekts. 

Dieses auf zwei Jahre angesetzte E+E Projekt (Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben) hat zwei Alleinstellungsmerkmale: Die Herausforderung (Wieder-)Vernetzung von Lebensräumen über ein sehr großes, als Wasserstraße klassifiziertes Fließgewässer hinweg herzustellen, und die enge Kooperation des Naturparks Südschwarzwald als starker regionaler Netzwerker mit einer wissenschaftlichen Einrichtung des Landes, der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden Württemberg in Freiburg.

Grünbrücke von oben

Grünbrücke bei Sasbach am Kaiserstuhl, welche die durch die L113 voneinander getrennten Lebensräume wieder miteinander vernetzt.

Infoflyer

Alle Informationen rund um das Projekt finden Sie auch im Flyer "Internationale Wiedervernetzung am Hochrhein" hier als PDF-Download.

Projektförderer und -Träger

Daten & Fakten zum Projekt

Projektförderer
Entwicklungs- und Erprobungsprojektvorhaben gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Projektträger
Naturpark Südschwarzwald in Kooperation mit der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)

Projektlaufzeit
01. Mai 2016 – 30. April 2018

Projektkoordination

Johanna Fritz
Tel. 0761 4018-485
E-Mail: Johanna [dot] Fritz [at] forst [dot] bwl [dot] de

Christoph Mozer
Tel. 0761 4018-170
E-Mail: Christoph [dot] Mozer [at] forst [dot] bwl [dot] de

Alle Informationen zum Projekt unter

www.hochrhein-verbindet.de

Projektpartner

Das Projekt wird gemeinsam mit unseren Partnern, dem Regionalverband Hochrhein Bodensee und dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt (Fachbereich Landschaft und Vernetzung) des Kantons Aargau gesteuert.