Allgemeine Informationen

Einleitung

Das Programm „Naturpark-Schulen im Naturpark Südschwarzwald“ verfolgt das Ziel einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im ländlichen Raum und richtet sich an Grundschulen im gesamten Südschwarzwald. Das Kernanliegen des Programms besteht darin, den beteiligten Schülerinnen und Schülern Besonderheiten aus Natur und Kultur im Umfeld ihrer Schule intensiv nahezubringen – es handelt sich somit gewissermaßen um moderne Heimatkunde. Auf bildungsplanorientierter Basis werden ausgesuchte Themen unter Einbeziehung außerschulischer Kooperationspartner vermittelt und als Modul zur regelmäßigen Durchführung im Curriculum der Schule verankert. Die örtlichen Kooperationspartner, beispielsweise Landwirte, Handwerker, Brauchtumsvereine etc., stellen dazu ihre Erfahrungen und ihr Wissen zur Verfügung und gewährleisten einen hohen Praxisbezug des Unterrichts. Die Schule mit ihrer fachlichen und pädagogischen Kompetenz kann die ortsbezogenen Themen auf Basis des Bildungsplans vermitteln – gestaltet werden sie jedoch durch die beteiligten Schülerinnen und Schüler selbst gemäß den Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Auf diese Weise lernen die Kinder, ihr örtliches Lebensumfeld zu (er)kennen, zu verstehen und mit Verantwortung zu gestalten.

Die Bereiche Natur und Kultur werden in der Naturpark-Schule nicht getrennt vermittelt, sondern in ihrer Wechselwirkung und engen Verflechtung begriffen. Der Charakter verschiedener Lebensräume und ihre Nutzung durch den Menschen wird verständlich und das sich daraus ergebende Spannungsfeld erkennbar. Themen wie Geologie, Wald, Wiese oder Wasser können ortsnah, buchstäblich vor der Klassenzimmertür, erlebt werden. Sagen, Geschichten und die Geschichte der jeweiligen Region sind mit diesen Themen eng verknüpft und werden ebenfalls behandelt.

Durch das Erleben außerschulischer Handlungsorte lernen die Schüler/innen die Arbeit verschiedener Berufsgruppen, wie zum Beispiel in der Land- oder Forstwirtschaft, kennen und deren Arbeit und ihren Wert für die Kulturlandschaft schätzen. Durch das eigene Gestalten im handwerklichen Bereich, z. B. Strohflechten oder die Herstellung einer Schilderuhr ("Klassen-Kuckucksuhr"), wird ihnen altes Handwerk nahegebracht. Dieses stellt nicht nur kulturelles Erbe dar, sondern ist immer noch Grundlage vieler heimischer Wirtschaftsbetriebe. Regionale Museen ergänzen die Themen inhaltlich.

Inhaltlich steht das Programm dem Unterrichtsfach "Mensch-Natur-Kultur" nahe. Die Bezüge zu anderen Schulfächern wie Mathematik, Deutsch etc. sind jedoch vielfältig und werden aktiv im Sinne eines fächerübergreifenden Ansatzes genutzt. Wichtiges Anliegen der Naturpark-Schule ist es, aus der lokalen und regionalen Erlebniswelt der Kinder heraus in die Welt zu blicken. Es gilt, Bezüge zu schaffen zur Lebens- und Arbeitswirklichkeit früher und heute, in anderen Ländern und Regionen und verschiedenen Lebensräumen. So können Zusammenhänge und die Auswirkungen des eigenen Verhaltens im globalen Kontext begriffen und kritisch reflektiert werden. Die Bildung für nachhaltige Entwicklung wird auf diese Weise durch die Naturpark-Schule gestärkt und dauerhaft im Schulalltag verankert, von wo aus sie auch in die Familien und die gesamte Kommune ausstrahlt.

Entstehungsgeschichte

Die Anfänge des Programms "Naturpark-Schulen" liegen im Jahr 2010, als die Dom Clemente Grundschule in der Schwarzwaldgemeinde Schonach gemeinsam mit dem Naturpark ein Konzept zum Einsatz von sog. "Naturpark-Entdeckerwesten" entwickelte. Hieraus wurde eine Reihe von Lerneinheiten (Modulen) erarbeitet, die natur- und kulturbezogene Themen aus dem Umfeld der Schule zum Gegenstand hatten und verschiedene außerschulische Akteure wurden einbezogen. Im Jahr 2011 wurde die Grundschule als erste mit dem Prädikat "Naturpark-Schule" ausgezeichnet und zum Pilotprojekt für den gesamten Südschwarzwald erklärt.

Kompetenzerwerb

Die Naturpark-Schule ermöglicht Grundschüler/innen, an konkreten Beispielen aus dem eigenen, lokalen/regionalen Umfeld zu lernen und zugleich den Blick über den regionalen Tellerrand hinaus auf globale Bezüge zu verinnerlichen. Dabei eignen sich die Schüler/innen wichtige Gestaltungskompetenzen an, um im Sinne einer umfassenden Nachhaltigkeit erkennen, beurteilen und handeln zu können. Folgende Kompetenzen sind hierbei konkret zu nennen (Beispiele aus Schonach):

  • Aufbau von Wissen durch Weltoffenheit und die Integration neuer Perspektiven; Modul Strohflechten: Getreideanbau in der Region füher und heute, Wertschätzung und Nutzung durch Verarbeitung jedes einzelnen Halmes, Strohflechten als altes Handwerk, Getreideanbau in anderen Ländern, Ernährung und Arbeit durch Getreide, Flechtarbeiten in Billiglohnländern
  • Vorausschauendes Denken und Handeln; Modul Landwirtschaft: Überdenken von Ernährungsgewohnheiten, Vielfalt und Qualität regionaler Lebensmittel, ökologischer Anbau, Transport, Arbeit unserer Bauern mit Höhenlandwirtschaft für die Offenhaltung der Landschaft, Ernährung und Arbeit im globalen Kontext
  • Interdisziplinäre Erkenntnisse gewinnen und handeln: Bedeutung von Schutzgebieten als Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere erkennen; Information über Möglichkeiten des Schutzes auch auf der individuellen Ebene
  • Gemeinsames Planen und Handeln: Einüben von demokratischem Verhalten, Absprachen, gegenseitige Hilfe, Prioritätensetzung bzgl. Handlungsschritten
  • Partizipation in kollektiven Entscheidungsprozessen: Schüler/innen sind Entscheidungsträger und somit mitverantwortlich für Erfolg oder Misserfolg
  • Motivation für sich selbst und andere zu nachhaltigem Engagement
  • Reflexion eigener und fremder Perspektiven und Leitbilder: neue Gesichtspunkte können zu Neu-bewertung eigenen Verhaltens (z. B. Ernährung und Konsum) führen; Bsp.: wetterabhängige Berufe des Bauern, Försters; Unterscheidung regional, Bio, saisonal; Leben in anderen Ländern; Kinderrechte; Kinderarbeit.
  • Selbständiges Planen und Handeln: z. B. Verhalten im Schutzgebiet, selbständiges Arbeiten, Ideen und Planung einer Partneraktion, Nachhaltigkeitskriterien beim Roggenanbau (Anbau auf dem Schulhof)
  • Empathie und Solidarität für Benachteiligte: Informationen über Bedingungen des Lebens und Arbeitens in anderen Ländern, Verständnis und solidarisches Verhalten einüben durch Geschichten, Rollenspiele, Aktionen für die "Eine Welt" (Bsp.: Schulprojekt für Kinderrechte und für mehr Bildung)
  • Einsicht in und Umgang mit komplexen Zusammenhängen: Durch neue Erkenntnisse und Perspektiven nach den BNE-Kriterien lernen die Schüler/innen, dass komplexe Zusammenhänge für eine Entscheidung nötig sind. Etwas für diese Welt tun zu können, sei es auch im Kleinen, spornt die Motivation an, aktiv zu werden.

Zielgruppe und Reichweite

Primäre Zielgruppe des Programms sind die Schüler/innen der beteiligten Naturpark-Schulen, denn sie sollen durch die Aktivitäten im außerschulischen Umfeld wichtiges ortsbezogenes Wissen und zentrale Kompetenzen gemäß der BNE erwerben. Daneben sind Lehrkräfte bzw. Schulverwaltung und außerschulische Programmpartner in ihrer Eigenschaft als Vermittler angesprochen. Auch die Familien der Schüler/innen können als beteiligtes Umfeld eine Zielgruppe darstellen. Die Gemeinde (meist Schulträgerin), d. h. Gemeinderat und Verwaltung, soll das Programm ebenfalls kennen und propagieren, denn nur hierüber wird die erforderliche Verankerung im gesamten Ort erreicht. Der Bezug der Gemeinde ist u. a. durch die finanzielle Eigenbeteiligung der Kommune gewährleistet, denn die Programmkosten auf örtlicher Ebene werden nur zum Teil aus der Naturpark-Förderung gedeckt.

Das Wirkungsgebiet des Programms erstreckt sich somit für jede einzelne beteiligte Schule auf die jeweilige Gemeinde sowie meist auch die nähere Umgebung. Für das Programm-Netzwerk aber ist die Reichweite auf den gesamten Naturpark Südschwarzwald ausgedehnt und erreicht somit 115 Gemeinden und Landkreise im sübadischen Raum.

Über den Naturpark hinaus reicht das Programm durch die Beteiligung am deutschlandweiten Netzwerk des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN), wo es eine wegweisende Rolle innehat, sowie durch die kürzlich angebahnte Kooperation mit dem Regionalen Naturpark Schaffhausen (Schweiz). Weitere Informationen unter http://www.naturpark-schaffhausen.ch/de/umweltbildung/projekte-umweltbildung/naturparkschule.

Beteiligte Akteure

Die Möglichkeiten der Beteiligung und Mitwirkung sind zahlreich und stehen vielen Akteuren offen: Interessierte, kompetente Einzelpersonen, örtliche Gruppen und Vereine, aber auch Bildungseinrichtungen und Museen kommen als Kooperationspartner in Frage, die zusammen mit den Schüler/innen die Module und Exkursionen handlungsorientiert durchführen.

Den Kooperationspartnern eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, ihre Themen im Unterricht (oftmals im außerschulischen Umfeld, z. B. in ihrem Betrieb) einzubringen und diese gemeinsam mit den Schüler/innen zu gestalten. Dies führt zu einer sehr wünschenswerten Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung auf Seiten aller Beteiligten und zugleich zum Transfer der BNE-bezogenen Ansätze aus dem unmittelbaren Schulkontext hinaus in die Gemeinde hinein.

Projektmappe und Flyer

Cover Broschüre

Die Broschüre "Naturpark-Schule" ist in der Geschäftsstelle des Naturparks Südschwarzwald und hier als PDF-Download erhältlich.

Den Infoflyer "Naturpark-Schule" finden Sie ebenfalls hier als PDF-Download.